Der Sommer 2026 war so heiss, dass ich schlicht und einfach keine Lust hatte, die Wanderung fortzusetzen. So kam es, dass ich erst am 1. September 2026 die nächste Etappe in Angriff nehmen sollte. Die Einsamkeit des Juras war schön, aber logistisch auch (etwas) anstrengend.
Tag 13: Fast ohne Unterkunft gestrandet
Bereits im Mai machte ich die undankbare «Erfahrung», dass die Rückreise ab Pontarlier alles andere als einfach ist. Die Anreise von Zürich nach Pontarlier gestaltet sich noch schwieriger. Der schnellste Weg führt über Basel und Dijon. Das ist zwar ein «ordentlicher» Umweg, aber dafür kann Pontarlier wenigstens kurz nach 11 Uhr erreicht werden.
Gemäss Fahrplan zumindest. In der Realität bliebt der superschnelle TGV auf der Strecke zwischen Dijon und Lausanne irgendwo stecken. Immerhin, der Anschlusszug ab Frasme wartet die halbe Stunde. Die französischen Staatsbahnen (SNCF) scheinen diesbezüglich «grosszügiger» zu sein als die Deutsche Bahn (Singen lässt grüssen).
In der Altstadt besorge ich mir etwas zu Essen. Bei der Apotheke bin ich unschlüssig, ob ich noch Blasenpflaster kaufen sollte. Ich habe zwar noch drei Stück auf Vorrat, aber sicher ist sicher.
Es war dies eine weise Entscheidung. Für die nächsten fünf Tage sollte ich nämlich täglich zumindest eine neue Blase behandeln müssen.
Hinter Pontarlier treffe ich erneut auf den Doubs. Noch immer begleitet mich ein stattlicher Fluss.
Im Prinzip hätte ich einfach dem Doubs folgen können. Der Weg wäre ein paar Kilometer kürzer. Allerdings bietet die von mir gelaufene Route den Vorteil, dass das Chàteau de Joux besucht werden kann.
Nur kommt just zu der Zeit eine Meldung rein, dass meine heutige Unterkunft storniert sei. Die vorgeschlagenen Alternativen der Buchungsplattform sind wenig berauschend. Vorschläge im Umkreis von 20 bis 50 Kilometer sind zu Fuss nicht wirklich einladend.
Mit gedrückter Stimmung schlendere ich durch die Festung. Es sind dies ja alles sehr eindrückliche Gemäuer und die Anlage ist immens riesig. Doch meine Gedanken kreisen um mein Nachtlager. Ich sehe mich schon in mittelalterlicher Manier im Freien nächtigen.
Ganz oben in der Burg wird ein riesiger tiefer Ziehbrunnen erreicht. Gemäss Pfeil müsste die Tour die Treppe nach unten führen. Ich bin aber nicht sicher, ob dem so ist. Mit jeder «Umrundung» nach unten sehe ich noch mehr Stockwerke in die Tiefe.
Ich kehre um und watschle die Pfeile in Gegenrichtung zurück. Die Anlage ist zweifelsohne einen Besuch wert, Alleine, es fehlt mir die Musse. Nirgends im Web finde ich ein freies Zimmer. Entweder ist alles ausgebucht oder dann funktioniert schon die Nummer nicht (mehr).
Mit sehr gemischten Gefühlen wandere ich weiter. Knappe zwei Stunden reichen heute, um das ganze Projekt in Frage zu stellen. Ich erinnere mich an eine Nacht vor ca. 40 Jahren in Spanien, als ich kein Hotel fand. Es war eine elend lange Nacht, ich schlief irgendwo draussen hinter Büschen. In der Ferne heulende Hunde, hungrig war ich auch und die Nacht war kalt und lang.
Während ich sinnierend des Weges schreite, treffe ich auf ein altes Eisenbahngleis. Manchmal stehen ein zwei Waggons verlassen da. Später gelange ich zum leeren Bahnhof Fontaine Ronde. Im Netz finde ich später die Information, dass es sich um die ehemalige Linie zwischen Pontarlier und Vallorbe handelt. Ein Teilstück wird im Sommer an ausgewählten Tagen von einer Museumsbahn betrieben. Heute aber, niemand da.
Auf der Karte sehe ich, dass es im nahen Ort Métabief das Hotel Etoile des Neiges geben sollte. Aber auch da nimmt niemand ab. Kurz nach vier Uhr bin ich da. Die Tür ist offen, an der Réception steht, dass ab 17:30 Uhr eingecheckt werden könne, der Tag bzw. die Nacht scheint gerettet.
Warten in der leeren Hotellobby ist langweilig. Das bringt mich auf die Idee, ich könnte ja heute noch die guten vier Kilometer bis zur «abgekündigten» Unterkunft laufen, um danach mit dem Bus oder einem Taxi zurückzufahren, dann wären es morgen «nur» 25 und nicht 29 Kilometer.
Also wandere ich weiter. In Longevilles Hautes spricht mich eine Frau an, ob ich etwas suche. Ich sage, ja, ein Hotelzimmer. Sie antwortet mir, das könne schwierig(er) werden. Wohl am ehesten in Métabief. Sie müsse sowieso zurück dorthin, ob ich mitfahren wolle.
Natürlich sage ich nicht nein. Unterwegs frage ich, ob es einen Bus geben würde. Einen Bus? Nein, hier fahre nichts – und das Etoile des neiges sei auch das einzige Hotel weit und breit. Das Zimmer ist kein Schnäppchen. Die Alternative mit der Freinacht draussen wäre die noch schlechtere Wahl.
Beim Abendessen treffe ich auf eine Gruppe E-Biker/innen aus der Schweiz, die französische Sprache unter den Gästen vernehme ich eher nicht.
Tag 14: Kein Taxi, dafür Sprungschanze
Bevor ich gestern weiter lief, hatte ich noch ein Taxischild abfotografiert. Nur meldet sich bei den beiden Nummern niemand. Ich frage den Hotelier nach einem Taxi. Das sei schwierig.
Er ruft jemanden an und fragt nach; ein Taxi gibt es in Métabief nicht. Nach einem kurzen (erfolglosen) Abstecher im Auto-Stoppen beisse ich den «sauren» Apfel und laufe die vier Kilometer nochmals.
Entlang des Weges gibt es einige prächtige Brunnen, allerdings ohne Wasser. Scheint alles irgendwie etwas verlassen zu sein. Ich komme zum Hotel, bei dem gestern niemand abnahm. Auch heute wäre niemand da, aber zumindest ein Schild «Hotel» gibt es noch.
Der Ort Rochejean bietet prächtige alte Bauten. Allerdings hätte es auch hier kein Hotel gegeben, im übrigen finde ich leider auch keinen Laden. Das Mittagessen wird karg ausfallen. Reiswaffeln, entweder mit weisser oder schwarzer Schokolade.
Ich wandere an einem in liebevoller Handarbeit erstellten Briefkasten vorbei. Ob der Milchkasten versteckt im «Erdgeschoss» oder darunter in der Milchkanne angebracht ist, hätte getestet werden müssen. Aber als (fremder) Wanderer schickt es sich nicht an, dies zu erkunden.
Ich treffe auf ein nun kleines Flüsschen, es ist noch immer der Doubs. Leider gibt es keinen Wanderweg entlang des malerischen Gewässers. Mein Weg führt nach links in die Hügel.
Es geht stattlich hinauf. Einen Blick in die Täler gibt es selten, dafür viele grasende Kühe. Das Bimmeln der Glocken sollte für lange Zeit die einzige Lärmquelle darstellen. Wer hier im Jura wandert, der findet wahrlich Ruhe pur.
Der Aufstieg aber ist nicht produktiv, es geht zurück ins Tal. Unten treffe ich mehrere Cars. Eine grosse Anzahl von Tagestouristen steht bereit, um wohl die Quelle des Doubs zu erkunden.
Nur zeigt das Schild nach links und ich muss nach rechts. Die Quelle verpasse ich. Durch die vier doppelt gelaufenen Kilometer von heute morgen fehlt mir die Tatkraft für jeden weiteren Umweg. So verpasse ich die eindrückliche Karstquelle. Das ist zwar irgendwie unverzeihlich, es entspricht aber meiner aktuellen Verfassung.
Ich kämpfe mich langsam durch die sehr hügeligen Wälder. Nicht selten muss ich Baumstämme und Äste überwinden. Ich gelange zur eindrücklichen Sprungschanze nahe von Chaux-Neuve.
Ein paar Jugendliche spielen unten auf der Landepiste Fussball. Ich finde einen langen Wasserschlauch. Die Quelle, der Wasserhan ist bald gefunden. Den Schlauch kann ich aber nicht abmontieren und am Ende des Schlauches ist das Nass sehr grau.
Ich frage einen Mann nach Trinkwasser. Er verweist mich an den Platzwart und dieser füllt meine Flasche mit glasklarem kühlen Wasser. Der Anstieg kann in Angriff genommen werden.
Es sind dies hunderte von Treppenstufen, die es nach in die Höhe geht. Die Sonne brennt und oben angekommen ist meine Flasche schon fast wieder leer. Mit angeschnallten Skis wäre ich in Sekunden unten.
Aber abgesehen davon, dass die Skis unten sind, hätte ich nicht in Ansätzen den Mut dazu, und ich denke, das ist auch besser so. Die Anlage Côte Feuillée gehört zu den grössten Schanzen der Welt. Gemäss tremplins-chauxneuve.fr könne jede/r im Winter wie im Sommer den Sprung (für 120 Euro) wagen, wenn auch «nur» auf dem Skisprungsimulator.
Oben verläuft der Weg zum Glück recht eben durch die weite Landschaft. Die letzten Kilometer bis zu meiner Unterkunft ziehen sich dennoch hin. Die Nacht verbringe ich in einer Art Zirkuswagen auf einer Husky-Farm. Ich frage nach Getränken und Essen. Beim «Flüssigen» gibt es selbstgemachten Sirup oder lokales Bier in stattlichen Flaschen.
Ich entscheide mich für den Sirup. Essen sollte mitgebracht werden. Die Gastgeberin bringt mir am Ende ein grosses Stück Käse und eine halbe Packung Teigwaren. Eine Kochecke hätte es im ca. 100 Meter entfernten Hauptgebäude gegeben. Ich bin aber so müde, dass ich Käse und (erneut) Reiswaffeln esse.
Tag 15: Felswände und Bettler
Ich habe gut (und lange) geschlafen. Mein Weg führte über die Wiese, ich ziehe für einmal die Strasse vor. Der Belag ist da zwar deutlich härter, dafür ist es trocken. Denn auf der Wiese wäre es am Morgen üppig nass, und darauf kann ich gut und gerne verzichten. Überdies hat es auf der Landstrasse fast keinen Verkehr.
Im Ort Chatelle-des-Bois ist (soweit ersichtlich) alles zu. Wobei es primär ein Restaurant und eine Käserei geben würde. Den kleinen Lebensmittelladen konnte ich nicht wahrnehmen. Letztlich suchte ich aber auch nicht, denn ich wusste ja, dass es in ca. 10 Kilometer zwei grosse Läden geben wird.
Es geht durch ein Hochmoor. Später suche ich kurz den Weg. Es sind dies selten begangene Pfade, dafür sind die Häuser allesamt von wuchtiger Statur.
Später führt mein Weg vorbei an kleinen Seelein. Ein Auto «kraxelt» auf dem Kiesweg an mir vorbei. Der Fahrer lässt die Scheibe runter und fragt nach einem Durchkommen. Ich sehe auf meiner Karte nach und empfehle eher eine Umkehr. Das Auto fährt weiter, kommt aber eine Viertelstunde später wieder langsam fahrend zurück. Das Vorankommen auf zwei Beinen ist da deutlich einfacher.
Ein Bauer mäht eine Wiese mit wenig Gras. Der trockene Sommer hinterlässt seine Spuren. Später geht es vorbei an verlassenen Skiliften. Die Anlagen vermitteln nicht den Eindruck, dass hier noch Ski gefahren würde, wobei ich nicht gesagt haben will, dass dem auch so ist.
Langsam verspüre ich ein Knurren und in Gedanken bin ich längst bei den beiden Supermärkten. Derweil verlaufe ich mich ziemlich sinnlos. Es geht zurück über Schlamm und einen ruppigen Abstieg. Kurz vor Morez führt der Weg direkt in eine Felspartie.
Der Entschluss zur Umkehr fällt schnell, für mich gibt es da kein gefahrloses Durchkommen. Der Umweg von ca. 2 Kilometern ist immer noch genügend steil, aber wenigstens ein Pfad. Ich bin müde und muss aufpassen, dass ich nicht falle.
Unten angekommen, bin ich schweissgebadet. In einem kleinen Imbiss (es sollte das einzige geöffnete Restaurant sein) verköstige ich mit einer grossen Portion Falafel. Ich bin der einzige Gast.
Gut gestärkt nehme ich das kleine Stück zu den Supermärkten in Angriff. Das Angebot hier ist ohne Fehl und Tadel, aber irgendwie erschlägt mich das alles auch. So kaufe ich denn nur eine Packung Mirabellen, die ich gleich vor dem Laden verzerre. Etwas ordinär spucke ich die Steine in die Plastikbox der Früchte.
Laufend fahren Autos vor. Meist ältere Menschen kommen zum Einkauf. Ein Herr an Stöcken wirft ein paar Münzen in meine Abfallbox, wohl in der Meinung, ich würde um Batzen betteln. Gut, die Mirabellensteine könnten auch als 1-Cent-Münzen durchgehen, aber etwas schockiert bin ich doch. Sehe ich derart abgekämpft aus wie ein Bettler? Wird wohl so sein.
Noch sind es acht Kilometer bis zum Zielort Prémanon. Erst geht es in langen Kehren der Strasse entlang in die Höhe. Auf dem Asphalt ist es brennend heiss, zweimal rette ich mich in den Schatten eines Hauses. Später wird der Anstieg steil und ruppig. Es sind zwar «nur» 400 Höhenmeter und doch bin ich oben froh, am Ziel zu sein.
Prémanon überzeugt nicht von überragender Eleganz, wenn ich mir diese Bemerkung erlauben darf. Es gibt ein paar ältere Gebäude und darum herum viele recht grosse Ferienanlagen.
Das Suchen der Schlüssel für die Ferienwohnung gestaltet sich schwierig. Ohne ein ausführliches Video hätte es keinen Einlass gegeben. Die Siedlung ist mehr als gross, entsprechend anonym fühlt es sich an.
Die Wohnung selber ist mit einem schweren Schloss gesichert. Geschlafen habe ich trotzdem gut und ruhig, war ja sonst auch niemand da.
Tag 16: Einsame Landschaft, hitzige Temperaturen
Es war gestern am Nachmittag heiss, und so wird es auch heute wohl werden. Rechter Hand laufe ich am Musée des mondes polaires vorbei. Es ist Paul-Émile Victor gewidmet und bietet ein Eintauchen in das Leben des in Frankreich bekannten Polarforschers. Die Anlage wirkt etwas überdimensioniert, und klar, zu dieser Zeit ist natürlich alles zu.
Bald bin ich wieder in der Natur. Erst auf einem Landsträsschen. später wandere ich über weite Alpweiden. Zwischendurch das Gebrüll einiger Motorsägen.
Nach etwa 10 Kilometern findet die Abgeschiedenheit ein jähes Ende. Erneut grüssen riesige Ferienanlagen. Der Parkplatz davor nicht minder klein. Nur scheint auch hier niemand da zu sein. Kein Restaurant, keinen Laden, einzig eine Tierarztpraxis gibt es. Einige Hundert Meter dahinter folgt eine Apotheke, einfach so am Strassenrand.
Und es gibt doch Leben im Dorfe Lamoura, wenn auch mehr für medizinische Belange. Meine Wenigkeit ist davon nicht ausgenommen. Ich kaufe eine weitere Tube Arnikasalbe, die Füsse verdanken dies wohlwollend. Der Magen dagegen bleibt ohne Nachschub, und leider sollte dies bis zum Zielort in Lélex so bleiben.
Es folgen einmal mehr stillgelegte Liftanlagen, der Weg führt abermals in die Höhe und endlich erblicke ich sie, die langersehnte erste und höchste Jurakette. Dahinter läge der Genfersee.
Den See erblicke ich natürlich nicht, dafür geht es mitten durch die Kuhherde. Die Vierbeiner sind alle um eine grosse Wasserstelle versammelt. Durstig wäre ich schon, aber das trübe, dreckige Nass lädt jetzt nicht unbedingt zur «Einkehr» ein.
Mein Weg führt weiter auf der zweiten Jurkaette Richtung Westen. Ich quere eine stattliche Strasse, auf einem Kiesweg geht es auf und ab. Mal an der prallen Sonne, oft zum Glück im schattigen Wald.
Am Ende geht es steil hinunter nach Lélex. Das Wasser im übrigen fliesst nun seit geraumer Zeit in den Westen, eine exakte Wasserscheide zwischen Rhein und Rhone habe ich nicht ausmachen können.
Am Ortseingang von Lélex treffe ich endlich auf den ersten Laden, eine Metzgerei. Das Angebot an Fleischwaren ist allumfassend, bei den Getränken gibt es nur Bier oder Nichts. Immerhin, die Flasche ist nicht klein. Mein Durst ist gross und so wandere ich anschliessend leicht schwankend den letzten Kilometer.
Im Zentrum kaufe ich Essen und vier Liter Getränke ein. Ich habe Nachholbedarf für heute und einen Vorrat für morgen gilt es auch anzulegen.
Tag 17: Erschöpft und ohne Blick zum Genfersee
An sich laufe ich flussabwärts, der Weg sollte daher abfallend sein. Faktisch geht es auf den ersten 10 Kilometern dem Fluss entlang einige Hundert Höhenmeter in die Höhe, und natürlich noch mehr hinunter.
Dafür entschädigt die Landschaft doch sehr. Begleitet von einem kolossalen Rauschen des Baches geht es durch einen sehr urtümlichen Wald. Die Anstiege sind ruppig, die Abstiege ebenfalls.
Ich bin ganz alleine unterwegs, nach zwei Stunden höre ich in der Ferne ein Geschrei eines Kindes, dazu die Stimme einer deutlich unzufriedenen Mutter. Worum es ging, das geht im Rauschen des Gewässers unter.
Endlich folgt die lange ersehnte Brücke auf die andere Talseite. Der Aufstieg hinüber zum Rhonetal beginnt. Unterwegs finde ich an Bäumen hängende wilde Pflaumen. Später sollte ich bereuen, nicht mehr davon verspeist zu haben.
Über den Weiler Rosset geht es in die Höhe. Ein Trail-Runner sputet an mir vorbei. Folgen kann ich ihm nicht, scheint heute irgendwie nicht mein Tag zu sein. Dies bestätigt sich wenig später darin, dass ich den Weg nicht mehr finde.
Es hat zwar überall irgendwelche Markierungen, doch einen Pfad kann ich nicht (mehr) ausmachen. Das Navi zeigt steil nach rechts, und siehe da, endlich finde ich so etwas wie Wegspuren.
Bis ich endlich auf der Krete bin, eine wahrlich harte Sache. Ich benötige viele Pausen und leicht oberhalb der Mitte habe ich auch schon die ganze Flasche geleert.
Gesagt sei noch, dass der Weg faktisch ohne GPS-Hilfe nicht machbar ist. Der Pfad ist mehr als bescheiden, bietet aber einen gewissen Halt. Abseits dieses ist es zwar nicht direkt felsig, aber sehr steil und rutschig allemal.
Endlich oben angekommen, bei der Passage du Gralet, gibt es einen tollen Blick. Allerdings nur zurück in den Jura, der Blick zum Genfersee bleibt komplett verwaldet.
Bis zur nächsten Ortschaft sind 2 Stunden ausgeschildert. Es sollte ein langer, zäher und insbesondere durstiger Abstieg werden. Zwischendurch versuche ich Zuflucht bei grasgrünen Farnen. Geschmacklich eine eher bittere Erfahrung, mein Mund bleibt klebrig und trocken.
Unten im Dorf Feigères angekommen, klingle ich beim ersten Haus. Ich brauche nicht lange zu fragen, ein freundlicher Herr füllt meine Flasche und überreicht mir Brot und Käse. Mehr habe er leider nicht zu bieten.
Für mich ist dies aktuell ein Festessen. Ich danke herzlich und erfahre dabei, nein oben gäbe es nirgendwo etwas zu Trinken oder Essen. Und ja, die Wege seinen sehr selten begangen.
Frisch gestärkt geht es nun auf einer leicht abfallenden Ebene hinunter zur Rhone. Es ist heiss an diesem Nachmittag. Im Prinzip wollte ich heute noch bis zum Fluss laufen. Nur fährt dort kein Bus und ob einer in der ersten Ortschaft danach fahren würde, lässt sich auch nicht in Erfahrung bringen.
Am Ende begnüge ich mich mit Farges. Dort treffe ich zumindest eine Busstation mit einem Fahrplan an. Allerdings bereitet es mir Mühe herauszufinden, wann der nächste Bus fahren würde. Gemäss Online-Fahrplan wäre ich um 21 Uhr in Genf. Das wären satte vier Stunden.
Ich bestelle ein Taxi. Für 50 Euro geht es danach auf der Autobahn zur Grenze. Mit dem Tram fahre ich danach von der Endstation CERN in 30 Minuten zum Bahnhof Genf Cornavin. Fast drei Stunden konnte ich so einsparen. Nun denn, heute habe ich beim Essen gespart und das lokale Taxi-Gewerbe unterstützt.
Das Ziel, heute die Rhone zu erreichen, habe ich um ein paar Kilometer verpasst. Aber was für eine Rolle spielt dies. 525 Kilometer habe ich erwandert, bis zur Rhone wären es 530. 1291 ist ohnehin noch weit weit weg. Zufrieden steige ich in Genf in den Zug, eine Pause ist verdient und auch nötig.













































